Paartherapie: Man muss nicht kurz vor der Trennung stehen
„Wir streiten eigentlich ständig.“
„Wir reden kaum noch miteinander.“
„Irgendwie leben wir nur noch nebeneinander her.“
„Wir lieben uns noch, aber wir erreichen uns nicht mehr.“
So oder so ähnlich beginnen viele Gespräche, wenn Paare über eine Paartherapie nachdenken. Und trotzdem kommt dieser Gedanke häufig erst sehr spät.
Denn Paartherapie hat noch immer ein bestimmtes Image: Man geht dorthin, wenn die Beziehung praktisch schon gescheitert ist. Wenn einer fremdgegangen ist. Wenn die Trennung unmittelbar bevorsteht. Wenn man selbst nicht mehr weiß, ob man überhaupt noch zusammenbleiben möchte.
Aber muss es wirklich erst so weit kommen?
Paartherapie ist nicht nur für Paare in der Krise
Eine Beziehung muss nicht kurz vor dem Aus stehen, damit es sinnvoll sein kann, sich Unterstützung zu holen. Manchmal ist es sogar genau andersherum: Je früher ein Paar merkt, dass es immer wieder in denselben Konflikten landet, desto leichter kann es sein, etwas zu verändern.
Denn häufig geht es bei Paarproblemen gar nicht um den einen großen Streit.
Es geht um Muster.
Einer fühlt sich nicht gesehen und zieht sich zurück. Der andere erlebt diesen Rückzug als Ablehnung und wird noch fordernder. Daraufhin zieht sich der erste noch weiter zurück.
Oder einer kritisiert ständig, weil er sich mehr Nähe wünscht. Der andere fühlt sich dadurch unter Druck gesetzt und macht innerlich zu. Beide wollen eigentlich dasselbe: Nähe, Sicherheit, Wertschätzung. Und trotzdem schaffen sie es, sich genau davon immer weiter zu entfernen.
Und irgendwann geht es im Streit gar nicht mehr darum, worüber man ursprünglich gesprochen hat. Dann streitet man nicht mehr über die Spülmaschine. Man streitet darüber, ob man dem anderen wichtig ist.
Forschung zeigt, dass Paartherapie tatsächlich etwas verändern kann
Paartherapie klingt für manche zunächst nach einem langen Gespräch über Gefühle. Nach: „Wir müssen jetzt endlich mal miteinander reden.“
Die Forschung zeichnet allerdings ein deutlich interessanteres Bild.
Eine große Meta-Analyse, in die 58 Studien mit insgesamt mehr als 2.000 Paaren eingingen, untersuchte die Wirksamkeit verschiedener Formen von Paartherapie. Das Ergebnis: Paartherapie kann die Beziehungszufriedenheit deutlich verbessern. Auch Kommunikation, emotionale Nähe und das Verhalten innerhalb der Beziehung können sich positiv verändern.
Das bedeutet nicht, dass jede Beziehung gerettet werden kann. Paartherapie ist kein Werkzeug, um um jeden Preis zusammenzubleiben.
Manchmal hilft sie einem Paar dabei, wieder zueinanderzufinden. Manchmal hilft sie dabei, Konflikte anders zu lösen. Manchmal wird im Laufe einer Therapie aber auch klarer, dass eine Trennung tatsächlich der richtige Weg ist.
Auch das kann ein wertvolles Ergebnis sein.
Der vielleicht wichtigste Schritt passiert deshalb schon vorher
Viele Paare warten sehr lange. Nicht, weil ihnen ihre Beziehung egal ist, sondern weil es sich komisch anfühlt, wegen „Beziehungsproblemen“ professionelle Hilfe zu suchen.
Viele denken: Andere schaffen das doch auch. Wir müssen das irgendwie selbst hinbekommen. So schlimm ist es ja noch nicht.
Und vielleicht ist genau dieser Gedanke der Grund, warum viele erst dann Hilfe suchen, wenn sich die Fronten bereits verhärtet haben.
Dabei bedeutet Paartherapie nicht, dass etwas grundsätzlich kaputt ist. Oft geht es vor allem darum, zu verstehen, was in der Dynamik zwischen zwei Menschen passiert. Und das heißt auch nicht automatisch, dass man jahrelang regelmäßig zu Sitzungen gehen muss.
Manche Paare kommen mit einem ganz konkreten Thema. Andere merken, dass sie immer wieder an denselben Punkt gelangen und verstehen möchten, warum.
Dabei kann es bereits hilfreich sein, wenn beide Partner*innen einmal die Möglichkeit bekommen, ihre Perspektive auszusprechen, und gleichzeitig lernen, die Perspektive des anderen wirklich zu hören.
Denn in einer Beziehung kennt man sich oft so gut, dass man glaubt, bereits zu wissen, was der andere denkt.
Und genau da kann es schwierig werden.
Man hört nicht mehr: „Ich habe Angst, dass du dich von mir entfernst.“
Man hört: „Du machst schon wieder alles falsch.“
Man hört nicht mehr: „Ich brauche gerade etwas Ruhe.“
Man hört: „Du bist mir egal.“
Paartherapie kann helfen, solche Übersetzungsfehler sichtbar zu machen.
Man muss nicht erst kurz vor der Trennung stehen
Eine Beziehung darf schwierig sein, ohne gescheitert zu sein. Man darf sich Unterstützung holen, bevor aus kleinen Konflikten große Verletzungen werden. Und man darf auch dann kommen, wenn man eigentlich noch gar nicht genau weiß, was das Problem ist.
Manchmal reicht zunächst eine Stunde, in der jemand von außen zuhört und dabei hilft, wieder sichtbar zu machen, was zwischen zwei Menschen eigentlich passiert.
Denn hinter vielen Streitigkeiten steckt nicht die Frage:
Wer hat recht?
Sondern eine ganz andere: Wie schaffen wir es, wieder miteinander statt gegeneinander zu sein?
Paartherapie bei Mentalea
Genau dafür bieten wir bei Mentalea jetzt auch Paartherapie am Telefon an.
Vielleicht klingt Paartherapie am Telefon zunächst ungewöhnlich. Tatsächlich kann gerade dieses Format aber für manche Paare eine niedrigere Hürde sein.
Dabei sitzen die Partner*innen nicht gemeinsam mit der Beraterin in einem Raum. Jeder nimmt von seinem eigenen Ort aus am Gespräch teil. Man sieht sich nicht, sondern konzentriert sich ganz auf die Stimme des anderen und auf das, was tatsächlich gesagt wird.
Und vielleicht liegt genau darin auch eine besondere Chance: Man kann nicht einfach an einem Blick, einer Geste oder einem genervten Gesichtsausdruck hängen bleiben. Man muss zuhören. Und hört dadurch manchmal wieder genauer hin.
Kein Anfahrtsweg. Kein gemeinsames Warten in einem Wartezimmer. Keine zusätzliche Organisation zwischen Arbeit, Kindern und Alltag.
Wenn ihr das Gefühl habt, immer wieder an denselben Punkt zu kommen, wenn Gespräche nur noch in Streit enden oder wenn ihr euch einfach wieder näherkommen möchtet, könnt ihr euch Unterstützung holen.
Nicht erst, wenn alles kaputt ist.
Sondern vielleicht genau dann, wenn ihr merkt: Unsere Beziehung ist uns wichtig.

Frieda Busch
M.Sc. Psychologie, Systemische Therapeutin (i.W.), Gründerin von Mentalea
Ich habe Mentalea gegründet, um präventive psychologische Unterstützung zugänglich zu machen, bevor aus Belastung eine Erkrankung wird. Ich verfüge über langjährige Erfahrung in der psychiatrischen Tagesklinik, in der Beratung von Frauen in Krisensituationen sowie in der digitalen Gesundheitswirtschaft. Neben meiner Arbeit bei Mentalea bin ich als Betriebspsychologin tätig.